Seit ungefähr 300 Jahren finden sich in Sammlungen und Museen Musikinstrumente, die am Übergang von Bronze- zu keltischer Kultur (also vor 2.500 bis 3.000 Jahren) entstanden sind. Diese Instrumente wurden vor allem in Irland, aber auch anderen Teilen Nord-West-Europas ausgegraben. Bis ca. 1990 glaubten die Archäologen, dass es sich bei diesen Musikinstrumenten um rituelle Zierinstrumente gehandelt hat, die nicht gespielt werden konnten, sondern nur in Prozessionen oder zu ähnlichen Anlässen als "Schaustücke" herumgetragen wurden.
Die Archäologen glaubten nicht an die Spielbarkeit dieser Instrumente, weil es keine Mundstücke gab und auch aus physikalischen Gründen keine geben konnte: Auch mit einem aufgesetzten Kesselmundstück hätte man Rohren dieser Durchmesser (ca. 3,2 cm) keinen Ton entlocken können.
Dann jedoch sah der irische Musiker Simon O'Dwyer diese Instrumente und wusste sofort, dass diese "bronzezeitlichen Hörner" wie Didgeridoos gespielt werden müssen. Nach längeren Verhandlungen erhielt er die Erlaubnis, auf einigen gut erhaltenen Originalinstrumenten (jeweils ca. 20 Sekunden lang) zu spielen. Daher kennen wir den Klang dieser Instrumente, denen er den Namen "Dord" gab.
Simon O'Dwyer versuchte, einen originalgetreuen Nachguss eines Dords anfertigen zu lassen. Dabei stieß er jedoch auf eine unüberwindliche Schwierigkeit: Die besondere Kunst, diese Instrumente dem Original entsprechend in Bronze zu gießen, beherrscht heute niemand mehr. Die geringen Wandstärken der Original-Dords lassen sich mit heutigen Mitteln nicht mehr erreichen - und damit auch nicht der originalgetreue Klang.
Zu dieser Zeit lernte ich Simon und mit ihm das Problem der Dords kennen. Im Laufe der Jahre gelang es mir, eine Methode des Nachbaus zu entwickeln, mit der klang- und maßgetreue Nachbauten aus Metall möglich waren. Allerdings unterscheiden sich diese Nachbauten in einem Punkt von den Originalen: Bedingt durch die Fertigungstechnik sieht ihre Oberfläche anders aus als die der Bronzegüsse. Einen Eindruck davon vermitteln die Abbildungen.

Entscheidend ist allerdings die durch die besondere Herstellungstechnik bedingte Originaltreue im Klang.
Dieser Klang unterscheidet sich trotz der gleichen Spieltechnik von dem des Didgeridoos ganz beträchtlich. Das andere Material und die unterschiedliche Innenform der Instrumente bewirken dies: Während die Innenwandungen des Dords völlig glatt sind, führen die zahlreichen, durch die Fraßgänge der Termiten bedingten Unregelmäßigkeiten an den Innenwandungen der Didgeridoos zu starken Verwirbelungen der Luftsäule, die den Klang dunkler und dumpfer machen und die Obertöne nicht so leicht spielbar.

Damit stellte sich natürlich die Frage, wie Dords eigentlich gespielt wurden. Schriftliche Überlieferungen gibt es nicht - auch nicht von anderen Völkern (also zum Beispiel aus römischen Quellen). Daher blieben nur zwei Möglichkeiten, etwas über die Spieltechnik herauszufinden.
Auf der einen Seite weiß jeder Musiker, dass ein Instrument selbst über seinen Klang Auskunft gibt, wenn es behutsam und achtsam erforscht wird. Auf der anderen Seite finden sich in der traditionellen irischen Volksmusik noch Spuren der keltischen Musik, die sich zurückverfolgen lassen. Mit einiger Sicherheit spielt dabei der Dudelsack eine große Rolle, der rein klanglich betrachtet sicher eines der Nachfolge-Instrumente des Dords ist: Bedingt durch die leichte Ansprache der Obertöne lässt sich das Dord mehrstimmig spielen. Über dem Grundton kann man noch mindestens zwei Obertöne soweit "herausspielen", dass sie als separate Tonhöhen wahrgenommen werden können. - Also ein Spielprinzip, das durch den "drone" und die Einzeltöne des Dudelsacks umgesetzt wurde. Durch den Luftsack ist darüber hinaus die Erzeugung von Dauertönen möglich, was sonst nur mit Hilfe der Zirkularatmung bei Didgeridoo und Dord realisiert werden kann. (Die Zirkularatmung ist eine Atemtechnik, die es erlaubt, Dauertöne zu spielen, weil während des Einatmens durch die Nase die im Mundraum gespeicherte Luft genutzt wird, um den Ton aufrecht zu erhalten.)